Im Datenblatt steht „2×6". Im Karton liegt dann eine Rolle mit Perforation, und der Streifen wird abgerissen statt geschnitten. Gemerkt hat man das früher oder später ohnehin — meistens später, meistens samstags.
„Kann der Drucker 2×6?" ist die häufigste Frage vor einem Fotobox-Kauf. Eine Ja-Nein-Antwort gibt es nicht. Der eine schneidet den Streifen mit dem Messer. Beim nächsten übernimmt eine Perforation im Papier die Teilung. Ein dritter kann ihn überhaupt nicht — ausgerechnet das Gerät, das Panoramen bis 1,40 Meter druckt.
Hier steht, was welche Maschine wirklich ausgibt. Grundlage sind Treiberhandbücher und Herstellerseiten von DNP, Mitsubishi, Citizen und HiTi, 44 Quellen insgesamt. Wo wir etwas nicht belegen konnten, steht es dabei.
Die Rechenbasis: 300 dpi
Die ganze Geräteklasse rechnet in 300 Bildpunkten je Zoll. Daraus folgen die Pixelmaße, die eine Vorlage haben muss: ein 4×6-Zoll-Bild sind 1200 × 1800 px, der 2×6-Streifen 600 × 1800 px, 5×7 sind 1500 × 2100 px. Einige Geräte fahren zusätzlich einen 300×600-Modus für feinere Verläufe; an den Maßen der Vorlage ändert das nichts.
Vorlagen in 72 dpi sehen am Bildschirm tadellos aus. Aus dem Drucker kommen sie matschig. Das passiert häufiger, als man denkt, und es fällt meist erst auf, wenn der erste Gast seinen Ausdruck in der Hand hält.
Der Streifen: drei Wege, ein Format
Der 2×6-Streifen ist das Fotobox-Format. Er entsteht aber nicht überall gleich:
- Messerschnitt. Der Drucker bedruckt ein 4×6-Blatt und schneidet es einmal längs — zwei Streifen je Blatt. So arbeiten DNP DS620 und DS-RX1, Mitsubishi CP-D80DW und CP-D90DW, Citizen CX-02 und CY-02, HiTi P525L und P750L. Aus einem 6×8-Blatt holen DS620 und RX1 sogar vier Streifen.
- Perforation zum Abreißen. Der DNP QW410 schneidet sehr wohl: Sein Messer trennt quer zur Papierbahn, aus einem 4×6-Blatt werden drei 2×4-Streifen, aus 4,5×8 vier 2×4,5. Der 2×6-Streifen entsteht dagegen durch Teilen der Blattbreite — dafür liefert DNP eine mittig perforierte 4×6-Rolle, aus der zwei Streifen werden. Funktioniert — ist aber eine andere Verbrauchsmaterial-Bestellung und ein anderer Handgriff am Gerät.
- Gar nicht. HiTi P710L und X610 haben überhaupt keinen Streifenschnitt, obwohl beide große Formate beherrschen — der X610 sogar Panorama bis 6×56 Zoll. Das ist die unangenehmste Variante, weil sie sich aus dem Datenblatt nicht erschließt.
Ein Sonderfall ist der Mitsubishi CP-D70DW: Er braucht für den Mehrfachschnitt eine passende Firmware. Der CP-D90DW schneidet dafür variabel und kann sogar 4×6 und 2×6 aus demselben Blatt kombinieren.
Die Formatmatrix
Acht Geräte quer durch alle Klassen — vom 4,5-Zoll-Mobilgerät bis zur 8-Zoll-Maschine — und als letzte Spalte ein bewusst hineingestelltes Gegenbeispiel. Die Tabelle lässt sich seitlich schieben:
| Ausgabeformat | HiTi P525L | DNP DS620A | DNP QW410 | DNP DS820 | DNP DS-RX1 | Citizen CX-02 | Mitsubishi D90 | Canon CP1500 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Streifen | ||||||||
| 1,33×6″ · 34×152 mm | ✓ | — | — | — | — | — | — | — |
| 2×3″ · 51×76 mm | ✓ | — | — | — | — | — | — | — |
| 2×4″ · 51×102 mm | — | — | ✓ | — | — | — | — | — |
| 2×4,5″ · 51×114 mm | — | — | ✓ | — | — | — | — | — |
| 2×6″ Fotostreifen · 51×152 mm | ✓ | ✓ | ✓ nur perforiert | — | ✓ | ✓ | ✓ | — |
| 2×8″ · 51×203 mm | — | ✓ Sondermedia | — | — | — | — | — | — |
| 3×6″ · 76×152 mm | ✓ | — | — | — | — | — | — | — |
| 3×8″ · 76×203 mm | ✓ | — | — | — | — | — | — | — |
| Standardformate | ||||||||
| 3×4″ · 76×102 mm | ✓ | — | — | — | — | — | ✓ | — |
| 3×5″ · 76×127 mm | ✓ | — | — | — | — | — | — | — |
| 3,5×5″ · 89×127 mm | ✓ | ✓ | — | — | ✓ | ✓ | ✓ | — |
| 4×3″ / 4×4,5″ | — | — | ✓ ab FW 1.10 | — | — | — | — | — |
| 4×6″ · 102×152 mm | ✓ | ✓ | ✓ | — | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ ca. 100×148 |
| 4,5×8″ · 114×203 mm | — | — | ✓ | — | — | — | — | — |
| 5×6″ · 127×152 mm | ✓ | — | — | — | — | — | — | — |
| 5×7″ · 127×178 mm | ✓ | ✓ | — | — | ✓ | ✓ Medien 2024 abgekündigt | ✓ | — |
| 6×8″ · 152×203 mm | ✓ | ✓ | — | — | ✓ | ✓ | ✓ | — |
| 6×9″ · 152×229 mm | — | ✓ | — | — | — | ✓ | ✓ | — |
| Quadrate | ||||||||
| 4×4″ · 102×102 mm | — | — | ✓ | — | — | — | ✓ | — |
| 4,5×4,5″ · 114×114 mm | — | — | ✓ | — | — | — | — | — |
| 5×5″ · 127×127 mm | ✓ | ✓ | — | — | ✓ | ✓ | ✓ | — |
| 6×6″ · 152×152 mm | ✓ | ✓ | — | — | ✓ | ✓ | ✓ | — |
| 8×8″ · 203×203 mm | — | — | — | ✓ | — | — | — | — |
| 8-Zoll-Klasse | ||||||||
| 8×10″ / 8×12″ / A4 | — | — | — | ✓ | — | — | — | — |
| Panorama | ||||||||
| 6×14″ · 152×356 mm | — | ✓ ab FW 1.52 | — | — | — | — | ✓ | — |
| 6×20″ · 152×508 mm | — | ✓ | — | — | — | — | ✓ | — |
| 8×18″ / 8×26″ | — | — | — | ✓ | — | — | — | — |
| Endkundenformate | ||||||||
| L-Format · 89×119 mm | — | — | — | — | — | — | — | ✓ |
| Kreditkarte · 54×86 mm | — | — | — | — | — | — | — | ✓ |
| Sticker 54×54 mm / 8 Mini | — | — | — | — | — | — | — | ✓ |
Stand 28.09.2026, aus Treiberhandbüchern und Herstellerangaben. Die schmalen HiTi-Formate entstehen durch Schnitt aus größerem Material.
Zwei Zeilen verdienen eine Erklärung. Das 4×4-Quadrat haben in der Tabelle nur QW410 und Mitsubishi D90. Es ist kein seltenes Format: Die 4-Zoll-Geräte können es (QW410, Citizen CZ-01), und Mitsubishi führt es über die ganze Reihe (CP-D70DW, CP-D80DW, CP-D90DW). Nur DNP und HiTi dokumentieren es für ihre 6-Zoll-Maschinen nicht — quadratisch heißt dort 5×5 aus 5×7-Material oder 6×6 aus 6×8. Wer 4×4 verkaufen will, braucht also ein anderes Gerät als den DS620A.
Und der Canon CP1500 steht dort als Gegenbeispiel, nicht als Alternative. Er ist ein Endkundengerät: kein Streifenschnitt, kein 6-Zoll-Material — und vor allem rund 41 Sekunden für ein Postkartenbild. Ein Eventdrucker liegt bei acht bis zwölf. Bei zweihundert Ausdrucken an einem Abend ist das der Unterschied zwischen einer Schlange, die abfließt, und einer, die wächst. Für den Küchentisch ist das Gerät hervorragend; in einer Fotobox hat es nichts verloren.
Die übrigen recherchierten Geräte in einem Satz
- HiTi P750L — kann praktisch alles, was der P525L kann, inklusive der schmalen Streifenformate.
- HiTi P710L — 5×7, 6×8 und 6×9, aber kein Streifenschnitt.
- HiTi X610 — der Panorama-Spezialist: bis 6×56 Zoll im Endlosdruck, dafür ebenfalls ohne Streifenschnitt.
- Mitsubishi CP-D70DW — 2×6 nur mit passender Multi-Cut-Firmware; sonst nah am D90.
- Mitsubishi CP-D80DW — kann 2×6, 5×7 und die Quadrate, aber kein 6×9, kein 3,5×5 und kein Panorama.
- Citizen CY-02 — trägt den Citizen-Namen, stammt aber aus einer anderen Fertigung (Sinfonia-Basis). Streifen ja, Panorama nein.
- Citizen CZ-01 — baugleich zum QW410: 4×6, 4,5×8 und das 4×4-Quadrat. Den 2×6-Streifen dokumentiert DNP für den QW410 über die perforierte Rolle, Citizen für den CZ-01 nicht — dasselbe Gerät, zwei verschiedene Angaben.
- Citizen CX-02W — baugleich zum DS820, also die 8-Zoll-Klasse bis 8×32 Zoll per SDK.
Zusammen mit der Tabelle sind das fünfzehn Geräte. Zwei Einschränkungen daraus sollte man beim Zusammenstellen einer Box im Kopf haben. P710L und X610 schneiden überhaupt keine Streifen; damit fehlt ausgerechnet das Format, das eine Fotobox ausmacht. Und Panorama können nur DS620A, D90, X610 und DS820 — das Format also, mit dem sich ein Aufpreis begründen lässt.
Die Baugleichheits-Falle
Mehrere Geräte sind unter verschiedenen Namen dasselbe Gerät. Citizen CX-02 ist ein DNP DS620, CX-02W ein DS820, CZ-01 ein QW410 — alles OEM-Fertigungen von DNP. Der CY-02 dagegen stammt aus einer anderen Familie (Sinfonia-Basis), obwohl der Name in dieselbe Reihe passt.
Der naheliegende Schluss wäre, die Funktionsliste des einen auf den anderen zu übertragen. Das geht schief. Der DS620 kann Panorama-Formate; für den baugleichen CX-02 ist das nirgends belegt. Wer sich auf den Katalog des Schwestergeräts verlässt, verkauft am Ende ein Format, das die Maschine beim Kunden nicht ausgibt.
Randlos: warum der Drucker über das Maß hinausdruckt
Fotobox-Ausdrucke sollen randlos sein. Dye-Sublimationsdrucker erreichen das, indem sie etwas größer drucken als das Nennmaß und den Überstand abschneiden. Bei DNP sind das für 4×6 nicht 1200 × 1800, sondern 1240 × 1844 Bildpunkte; für 6×8 nicht 1800 × 2400, sondern 1844 × 2436.
Das Nennmaß ist also die sichere Zone, nicht der Bildrand. Hintergründe und Farbflächen legt man großzügig darüber hinaus an, Namen, Datum, Logo und QR-Code deutlich innerhalb. Sonst wandert bei jedem Ausdruck ein Stück Text in den Abschnitt.
Bei unserer eigenen Kalibrierung eines QW410 waren es am Ende ein bis drei Millimeter Überstand, je nach Format — gemessen an echten Ausdrucken, nicht am Datenblatt. Wer das überspringt, druckt entweder mit weißer Kante oder schneidet sich den QR-Code an.
Panorama: selten, teuer im Material
Lange Formate können nur wenige Geräte. 6×14 und 6×20 Zoll beherrschen der DNP DS620 (ab Firmware 1.52 und nur über die passende Druckersoftware), der Mitsubishi CP-D90DW und der HiTi X610. Der X610 druckt als einziger praktisch endlos, bis 6×56 Zoll.
Ein Panorama verbraucht die Materiallänge mehrerer Normalbilder: 6×14 kostet zwei 6×8-Längen, 6×20 kostet drei. Im Angebot sollte es deshalb auch so stehen. Wer Panoramen zum Preis eines Ausdrucks anbietet, zahlt drauf, und zwar bei jedem einzelnen.
Ausdrücklich kein Panorama können QW410 und CY-02. Und HiTi P710L sowie X610 haben keinen Streifenschnitt — ein Gerät, das Panorama kann, kann also nicht automatisch den Streifen.
Die Fallen in Kurzform
- 2×8 gibt es nur am DS620, und nur über doppelt perforiertes 6×8-Material zum Abreißen. Nichts, worauf man einen Ablauf aufbaut.
- 4×4 können die 4-Zoll-Geräte und alle Mitsubishi, aber keine 6-Zoll-Maschine von DNP oder HiTi — quadratisch heißt dort 5×5 oder 6×6.
- DS-RX1 kann kein 6×9 und kein Panorama.
- CP-D80DW kann kein 6×9, kein 3,5×5 und kein Panorama.
- Citizen CX-02: Das 5×7-Material wurde 2024 abgekündigt.
Was das für die Praxis heißt
Wir fahren inzwischen ein kleines Kernset an Vorlagenformaten: 4×6, 2×6, 2×4, 5×7, 6×8, 6×6. Alles andere läuft über ein freies Pixelmaß. Der Versuch, für jedes Gerät eigene Presets zu pflegen, endet erfahrungsgemäß damit, dass keines mehr stimmt.
Und die Papiernamen liest man besser aus dem Treiber, statt sie zu raten. Jeder Hersteller nennt dieselbe Sache anders, und an genau diesen Namen hängen die Schnittvarianten; beim DNP-Treiber heißt der Streifen etwa „PR (4×6) 2inch cut". BoothDock Studio holt die Liste direkt vom installierten Drucker.
Wie weit das gehen kann, hat uns der QW410 beigebracht. Zwei Druckprofile, unterschiedlich eingestellt, lieferten wochenlang identische Ausdrucke. Schnitt, Overcoat und Decurl las der Treiber nämlich gar nicht aus den Feldern, die er anzeigt, sondern ausschließlich aus einem 140 Byte großen herstellereigenen Block. Bis das gefunden war, vergingen mehrere Abende — und kein Datenblatt der Welt erwähnt es.
Die nützlichste Empfehlung steht am Schluss, weil sie die billigste ist: Lassen Sie sich vor dem Kauf einen echten Ausdruck zeigen, in genau dem Format, das Sie verkaufen wollen. Ein Blatt Papier, fünf Minuten. Danach braucht es diesen Artikel nicht mehr.
Quellen
Die Zusammenstellung stammt aus 44 Quellen, offizielle Unterlagen zuerst — erhoben am 21.08.2026, für diesen Artikel am 28.09.2026 nachgeprüft. Die wichtigsten:
- DNP — Treiberhandbücher DS620 (V1.0.5.2), DS820 (V1.0.0.2) und DS-RX1/RX1HS (V1.23) mit den Papiergrößen, Multiple-Layout- und 2-inch-Cut-Angaben sowie den Pixel-Druckbereichen. Dazu die DS620A-Produktseite (Panorama-Formate und die nötige Firmware 1.52) sowie die europäische QW410-Produktseite.
- Mitsubishi Electric — Datenblätter zu CP-D70DW, CP-D80DW und CP-D90DW(-P), inklusive der Multiformat-Angaben von 5×15 bis 15×51 cm und der Panorama-Fähigkeit des D90.
- Citizen Systems — Produktangaben zu CX-02 (Multi-Cut 6×2 bis 6×8 per SDK), CX-02W (8×2 bis 8×32), CY-02 (2×6-Streifen) und CZ-01 (4- und 4,5-Zoll-Klasse).
- HiTi — Produktseiten und FAQ zu P525L, P750L, P710L und X610, aus denen auch die Treibermodi stammen (etwa „4×6-2 split (2×6*2, cut)").
- Canon — die SELPHY-CP1500-Spezifikationen auf canon-europe.com für die Endkundenformate und die Druckdauer von rund 41 Sekunden je Postkartenbild.
Wo mehrere Quellen sich widersprachen, gilt das Treiberhandbuch vor der Produktseite und die Produktseite vor dem Händlereintrag. Angaben, die sich nur bei Händlern fanden, sind nicht aufgenommen — deshalb steht in der Matrix an einigen Stellen ein Strich, obwohl im Netz Gegenteiliges kursiert. Verlinkt ist nur, was am 28.09.2026 auch wirklich erreichbar war; die übrigen Unterlagen sind benannt, damit die Angabe nicht an einer Adresse hängt, die morgen umzieht.